18.
November

Eigenverantwortung…

Dieses Wort höre ich ganz oft in meiner Praxis als Führungscoach, denn dies wird von ganz vielen Führungskräften bei ihren Mitarbeitern vermisst.

Du kennst bestimmt in Deinem privaten Umfeld aber auch in Deinem Team Menschen, bei denen immer alles schief läuft,…alles ist schrecklich….nur ihnen passiert dieses ganze Elend…und sie können ja gar nichts dafür – alle anderen (die Kollegen, der Partner, Umwelt…) sind schuld für ihr Unglück.

Das sind die Kollegen oder Mitarbeiter, die schon morgens jammern, wie schlimm alles ist und Dich dafür verantwortlich machen es zu bessern, da sie es allein nicht schaffen. Sie sind nicht in der Lage Eigenverantwortung für ihr Leben zu übernehmen.

Diese Menschen nennt man in der Resilienzforschung „Opfer“. So hart dieser Begriff klingt, ich nenne sie immer „liebevoll Opfer“, da sie es leider nie gelernt haben, eigenverantwortlich ihr Leben zu meistern und dadurch immer abhängig sind von anderen.

Menschen in der Opferhaltung geben gerne anderen die Schuld an ihrer Situation. Sie finden stets Gründe, die sie daran hindern, aktiv zu werden. Häufig sind es die mangelnde Gesundheit, die Eltern, die Kinder, der Partner, der Chef, die Kollegen, die Wirtschaftslage oder die Politik, die sie verantwortlich machen. Eigenverantwortung? Ein Fremdwort!

Sie erwarten daher auch, dass andere die Probleme für sie lösen. Eine Weiterentwicklung ist unmöglich.

Ich möchte Dir zum besseren Verständnis kurz das Opfer-Gestalter-Modell nach Stephen Covey vorstellen.

Covey unterscheidet zwischen dem Betroffenheitsbereich und dem Einflussbereich.

Zum Betroffenheitsbereich gehören alle Umstände, die direkten Einfluss auf unser Leben haben, ohne dass wir sie beeinflussen können, wie z.B. das Wetter oder den Wert des Euros. Hier haben wir nur die Möglichkeit, uns möglichst gut an die Situation anzupassen.

 

Im Einflussbereich hingegen, können wir selbst Entscheidungen treffen und unser Leben nach unseren Wünschen gestalten.

Viele Menschen neigen jedoch dazu, ihren Einflussbereich zu unterschätzen. Sie erleben sich als abhängig von den Umständen und nehmen ihre Einflussmöglichkeiten gar nicht wahr. Laut Covey agieren diese Menschen dann entsprechend des Opferprinzips, sehen sich als Opfer.

Menschen, die ihre Handlungsspielräume erkennen und aktiv nutzen, bezeichnet Covey als Gestalter. Sie glauben fest daran, dass sie etwas bewirken können. Sie sind handlungsorientiert. In schwierigen Situationen überlegen sie sich, was sie unternehmen können. Sie suchen aktiv nach Lösungsmöglichkeiten und ergreifen von sich aus die Initiative – das nennt man auch Eigenverantwortung.

Gestalter können ihre Emotionen besser steuern als die Opfer-Typen. Sie sind in der Lage, sich wieder selbst zu motivieren. Sie steigern dann ihren Optimismus, damit die Probleme sie nicht erdrücken.

Gestalter streben nach einem Leben, das sie innerlich zufrieden macht. Wenn sie merken, dass sie mit einer Situation unzufrieden sind, suchen sie nach Möglichkeiten, um dies zu ändern. Wenn trotz vieler Anstrengungen und Lösungsversuche keine zufriedenstellenden Änderungen möglich sind, akzeptieren sie dies, ziehen ihre persönliche Konsequenz und verlassen die Situation. Sie handeln dann nach dem Motto: „Wenn du das Problem nicht lösen kannst, dann löse dich von dem Problem“.

Der Gestalter-Weg ist sicher nicht immer leicht und erfordert Durchhaltevermögen. Doch er lohnt sich: wir machen neue Erfahrungen, entwickeln unsere Fähigkeiten und gewinnen Selbstvertrauen.

Dem gegenüber stehen die Opfer, die lageorientiert sind und eher passiv reagieren. Bei Schwierigkeiten und Stress neigen sie zum Grübeln, Zaudern und zum Klagen. Sie unternehmen nur wenige Anstrengungen, um etwas zu ändern.

Sie finden stets Gründe, die sie daran hindern, aktiv zu werden. Sie erwarten daher auch, dass andere die Probleme für sie lösen. Eine Weiterentwicklung ist unmöglich.

Was bedeutet das für Deine Rolle als Führungskraft?

Wenn Du als Führungskraft so jemanden in Deinem Team hast, dann fordert dieser Mitarbeiter besonders viel Aufmerksamkeit, denn er ist abhängig von Deinem (jedem) Zuspruch, Deiner Ansage und Deiner Bestätigung, da er sich selbst nicht wertschätzt und nicht stolz auf sich und seine Leistungen sein kann. Und wenn von außen niemand kommt und die vermeintlichen Sorgen abnimmt und eine Lösung parat hat, wird das Jammern und Klagen noch größer.

Das einzig Richtige, was Du in diesem Moment tun kannst (vorausgesetzt, es gab schon genügend respektvolle Gespräche), ist all Deine Empathie zur Seite zu schieben (und das ist sehr schwer wenn Du ein empathischer Mensch bist) und denjenigen NICHT zu fragen, was denn los ist? Schwupps lädt er nämlich dann sofort seine LKW Ladung voll Mist über Dir ab. Das brauchen diese Menschen, denn nur so haben sie wieder Energie, um weiter zu machen. Und wer hat keine Energie mehr für seinen Alltag? DU!!

Opfer sind Energieräuber und diese müssen „eliminiert“ werden, denn sie vergiften die Stimmung im Team, ziehen andere Kollegen mit runter und erschweren Deine Arbeit als Führungskraft ungemein! Obwohl Opfer-Typen schwache, unsichere Charaktere sind, haben sie doch die Fähigkeit andere zu beeinflussen und üben somit vermeintlich Macht aus!

Das klingt hart, ich weiß aber solche Mitarbeiter müssen ganz besonders den Spiegel vorgehalten bekommen und zur Selbstreflexion und Eigenverantwortung „gezwungen“ werden.

Dazu musst Du aber lernen los zu lassen, denn wenn Du Eigenverantwortung forderst, musst Du Verantwortung abgeben. So einfach ist das!

Wie kannst Du als Führungskraft diesem Mitarbeiter und Dir gerecht werden?

Indem Du:

  • ihm reflektierst, wie er auf Dich wirkt und wie sich sein Verhalten auf die Arbeit auswirkt.
  • dem Mitarbeiter klare Grenzen aufzeigst und ihm vermittelst, dass dieses Verhalten so nicht erwünscht ist und Du eine Entwicklung/Veränderung einforderst.
  • ihm ermöglichst, sich zu reflektieren und zu verändern.

 

Das schaffst Du aber nur:

  • wenn Du Dich von seinem Verhalten nicht verunsichern lässt
  • wenn Du Dich von ihm abgrenzen kannst und Dir von ihm nicht Deine Energie rauben lässt
  • wenn Du selbstbewusst genug bist und Dich traust, diesen Mitarbeiter in seine Schranken zu weisen
  • Du selbst kein Opfertyp bist.

Nur Du allein entscheidest, ob Du zulässt, dass so ein Mensch Deine Energie rauben darf.

 

„Wer nicht handelt, wird behandelt“,

Entscheide Dich für das Handeln und stelle Dir ab sofort folgende Fragen:

  • Was löst dieser Mensch gerade bei mir aus?
  • Möchte ich jetzt wirklich zulassen, dass meine Energie genommen wird und
    ich mich aufrege?
  • Was ist das Schlimmste, was passieren kann, wenn ich nicht reagiere?
  • Ist es wirklich meine Aufgabe, jetzt diesen Mitarbeiter in den Mittelpunkt zu
    stellen?

 

Und aus eigener Erfahrung kann ich Dir sagen, dass es total befreiend ist, sich von diesen Opfern nicht mehr die Energie ziehen zu lassen. Ich habe das damals viel zu lange mit einer Mitarbeiterin durchgemacht und irgendwann ist mir der Kragen geplatzt und ich habe gesagt: „Entweder Du entscheidest Dich jetzt gut gelaunt und positiv Deiner Arbeit nachzugehen, übernimmst Eigenverantwortung für Dein Leben und Arbeitsbereich oder Du gehst nach Hause.“

Das Ergebnis waren große Augen, Unverständnis über die doch so „böse“ Chefin (damit konnte ich gut leben) und Schmollalarm für ein paar Stunden, aber danach hat sich das Verhalten geändert, denn sie wusste jetzt genau, wo die Grenzen sind, das hatte ich vorher nie gezeigt.
Hätte ich bloß schon viel früher mal ein Stopp Zeichen gesetzt, mir wäre viel Stress erspart geblieben. Aber ich habe es zugelassen und bedient, dass diese Mitarbeiterin sich so verhalten konnte. Unsere Zusammenarbeit war danach für uns beide viel entspannter, respektvoller und sie blieb die ganzen 7 Jahre meiner Führungstätigkeit in meinem Team.

Ja wir haben einen gewissen Schutzauftrag unseren Mitarbeitern gegenüber aber nur bis zu einem gewissen Grad. Wir sind nicht für deren persönliches Leid verantwortlich. Jeder entscheidet für sich selbst, ob es ein guter oder ein schlechter Tag ist. Diese Verantwortung brauchst Du als Führungskraft nicht übernehmen, außer für Dich selbst.

 

Dir fällt es noch sehr schwer, Dich von sogenannten Opfern abzugrenzen und klar Position zu beziehen? Dann melde Dich gerne bei mir, ich begleite Dich auf Deinem Weg.

Ich freue mich auf Deine Erfahrungsberichte und Erkenntnisse in den Kommentaren.

Glaub an Dich und Deine Stärken und sei stolz darauf!

Alles Liebe für Dich,

Deine Christina

PS.

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