16.
September

Um selbstbewusst Dich selbst zu führen und die Führungsrolle ausführen zu können, brauchst Du eine gute Selbstwirksamkeit.

Das bedeutet, dass Du überzeugt davon bist, Herausforderungen mit Hilfe Deiner eigenen Ressourcen bewältigen zu können, insbesondere dann, wenn es sich um schwierige, unvorhersehbare und stressreiche Dinge handelt.

Wenn Du daran glaubst, selbst etwas bewirken und auch in schwierigen Situationen selbständig handeln zu können, hast Du eine hohe Selbstwirksamkeit. Du glaubst daran, dass Du Einfluss auf Dinge nehmen kannst und resignierst nicht, Du beißt Dich durch und überlässt Dein Schicksal nicht anderen.

Wie entsteht Selbstwirksamkeit?

Diese Fähigkeit entwickelt sich im Kindesalter, womit wir mal wieder bei den eigenen Prägungen und Erfahrungen wären, die uns bis heute beeinflussen und uns gerne Stolpersteine in den Weg legen, besser gesagt, wir legen sie uns selbst in den Weg!

Meine Eltern haben mich in dem Sinne erzogen und geprägt, immer wieder aufzustehen, wenn ich gefallen bin. Ihnen war es außerdem sehr wichtig, dass wir das Konzept von Ursache und Wirkung kennenlernen und verstehen. Das heißt für jede Aktion gab es eine Konsequenz mal positiv, mal negativ.

Als Kind habe ich das natürlich nicht verstanden und fand das manchmal ganz schön ungerecht, wenn es mal wieder Fernsehverbot gab, weil ich meine Hausarbeiten nicht gemacht oder nicht aufgeräumt hatte. Ob das die richtige Erziehungsmethode war, darüber könnten wir heute diskutieren.

Der Standardspruch meines Vaters war: „Alles hat einen Sinn und am Ende des Tunnels ist ein Licht, Du musst nur durch den Tunnel gehen!“

Was habe ich ihn innerlich verflucht, denn in Zeiten von größtem kindlichen und pubertierendem Kummer, wollte ich so einen klugen Spruch natürlich überhaupt nicht hören und fand es echt ungerecht, dass ich da jetzt alleine durch muss.

Heute weiß ich natürlich, dass ich nicht alleine war und sie mir unterstützend zur Seite standen aber gehen musste ich alleine.

An eine sehr prägende Situation erinnere ich mich noch ganz genau: Ich war in der 7. Klasse und wollte unbedingt mit meinen besten Freunden zu so einem Nobelfriseur am Kudamm. Meine Eltern waren dagegen, denn 50,00 D-Mark waren in ihren Augen viel zu viel aber nach langem Betteln durfte ich mit.

Ich hatte lange blonde Haare und wusste ganz genau, welche Frisur ich haben möchte. Und dann sagte die Friseurin: „ Also, diese Frisur pass ja so gar nicht zu Deinem Typ!“. Ich – wie gesagt zarte 13 Jahre alt – war sofort eingeschüchtert und traute mich nicht mehr, an meinen Frisurwunsch festzuhalten. (Ich war fremdbestimmt- nicht mehr selbstwirksam)

Im Gegenteil, ich ließ mich so stark beeinflussen, dass ich der Frau meine schönen Haare anvertraute. Mit jedem Zentimeter, den sie abschnitt, wurde mein Druck im Bauch größer, aber ich traute mich immer noch nichts zu sagen. 2 Stunden später (meine Freundinnen waren schon längst fertig und genervt) war das Ergebnis fertig: Eine heulende Christina mit raspelkurzen Haaren!! Und mit raspelkurz meine ich kurz. Auf dem ganzen Kopf blieb mir ein ca. 1cm langer Flaum, nur der Pony war lang geblieben.

Ich war in Schockstarre, ich sah aus wie ein Fußball und konnte nicht aufhören zu heulen. Das einzig Positive daran war: ich erregte so viel Mitleid, dass ich nichts bezahlen musste.

Der Weg nach Hause war grausam, ich wusste nicht, wie ich mit dieser Scham weiterleben sollte. Meine Freundinnen versuchten alles in ihrer Macht Stehende, um mich aufzubauen, aber es gelang ihnen nicht. (Jahre später gestanden sie mir, wie schrecklich auch sie meine neues Aussehen fanden).

So kam ich also nach Hause und als meine Mutter mich sah, fing sie so an zu lachen, sie konnte sich kaum einkriegen (sie behauptet bis heute, dass es nicht so war…).

Mein Vater nahm mich in den Arm und sagte: Tja, die Haare sind ab, da kannst Du nichts mehr machen, das Leben muss weiter gehen und Du musst jetzt morgen in die Schule und allen erzählen, dass Du genau diese Frisur haben wolltest.

Du kannst Dir sicher vorstellen, was das am nächsten Morgen für ein schwerer Gang für mich war. Alle in der Schule lachten mich aus und mein verhasster Lehrer sagte: „Oh, wir haben einen neuen Schüler, herzlich willkommen Christian“.

Ich betete, dass der Boden sich auftut, tat er aber nicht. Ich heulte innerlich aber nach außen machte ich genau das, was mein Vater mir geraten hatte. Ich erzählte allen, dass ich genau so aussehen wollte. Das war echt hart!

Und es dauerte keine 2 Tage, da lachte keiner mehr und nach weiteren 2 Wochen, kam eine Klassenkameradin mit dem gleiche Kurzhaarschnitt, weil sie ihn bei mir so schön gefunden hatte.

Zum Glück wachsen meine Haare schnell und so dauerte es auch nicht so lange, bis ich mich wieder wohl fühlte. Ich brauche nicht zu erwähnen, dass es aus dieser Zeit keine Fotos von mir gibt!

Warum erzähle ich Dir diese Geschichte?

Manchmal braucht es (leider) einen kleinen, oft schmerzhaften Tritt, um sich zu entwickeln und über sich hinaus zu wachsen und Menschen in Deiner Umgebung, die Dich dabei begleiten und unterstützen, so wie in diesem Fall mein Vater und meine Freunde.

So entwickelt sich Selbstwirksamkeit, das Selbstvertrauen wächst.

Und in meiner Geschichte gab es nach 2 Tagen nur Ruhe, weil ich selbstbewusst aufgetreten bin, dadurch habe ich keine Angriffsfläche geboten.

Eltern von heute hätten wahrscheinlich den Friseur verklagt oder den schlechten Umgang mit den Freundinnen verboten, wären als Unterstützung mit in die Schule gegangen oder hätten das Kind erst einmal krank gemeldet.

Meine Eltern haben im besten Wissen und Gewissen ihrer Generation gehandelt und heute bin ich ihnen sehr dankbar dafür, denn dadurch bin ich ein widerstandsfähiger, selbstständiger und selbstbewusster Mensch geworden.

Analysiere Deine Selbstwirksamkeit:

Wie selbstwirksam bist Du aufgewachsen und erzogen?

  • Weißt Du, wer Du bist und was Du kannst?
  • Was spiegelt Dir Dein Umfeld und passt das mit Deiner eigenen Wahrnehmung?
  • Fühlst Du Dich sicher?
  • Hast Du Selbstvertrauen?
  • Traust Du Dir Dinge zu?
  • Nimmst Du Herausforderungen an oder haderst Du mit den vermeintlichen Problemen?
  • Bist Du ein optimistischer Mensch?
  • Kennst Du Deine Fähigkeiten und Stärken?
  • Glaubst Du daran, dass es für jedes Problem eine Lösung gibt?
  • Glaubst Du daran es aus eigener Kraft lösen zu können?
  • Wertschätzt Du Dich selbst?
  • Bist Du stolz auf Dich?
  • Welche Erlebnisse haben Dich „stark“ gemacht?

Untersuchungen haben gezeigt, dass Personen mit einer guten Selbstwirksamkeit, also einem starken Glauben an die eigene Kompetenz eine größere Ausdauer bei der Bewältigung von Aufgaben, eine niedrigere Anfälligkeit für Angststörungen und Depressionen und mehr Erfolge in Ausbildung und Berufsleben aufweisen.

Danke, dass ich Dir heute meine Geschichte erzählen durfte und wenn Du jetzt merkst, dass Du Dich noch viel zu viel fremdbestimmen lässt und noch nicht so selbstwirksam und selbstbewusst bist, wie Du es gerne sein würdest, dann melde Dich gerne bei mir, ich begleite Dich auf Deinem Weg.

Du möchtest Dich mit anderen Führungskräften austauschen und weiterbilden? Dann komm zu meinem Seminar „Schluss mit der Unsicherheit, ab jetzt wird geführt! – Der Weg zur selbstbewussten Leitungspersönlichkeit.“ am 28. & 29.10.2019 in Berlin.
Hier findest Du alle wichtigen Informationen.

Ich freue mich auf Deine Erfahrungsberichte und Erkenntnisse in den Kommentaren.

Glaub an Dich und Deine Stärken und sei stolz darauf!

Alles Liebe für Dich,

Deine Christina

PS:

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Kommentare:
  1. Date 18. September 2019
    Author Von:Christina Becker

    Liebe Claudia,

    ich danke Dir für Dein Feedback! Ich freue mich immer, wenn meine Impulse zum Nachdenken anregen aber noch viel mehr freue ich mich über Menschen wie Dich, die sich weiterentwickeln wollen und das auch aus eigener Kraft schaffen und dran bleiben! Du kannst stolz auf Dich sein!

    Alles Liebe Christina

  2. Date 17. September 2019
    Author Von:Claudia

    Liebe Christina,
    Ich glaube, ich wurde in meiner Kindheit nicht besonders unterstützt. Wir waren 5 Kinder und meine Mutter meist überfordert. Ich habe auch lange gebraucht, um selbstsicher zu werden, aber ich habe es, denke ich, geschafft. Deine Fragen sind treffend und dein Artikel sehr gut.
    Danke dafür.

  3. Date 16. September 2019
    Author Von:Christina Becker

    Liebe Christiane,

    vielen lieben Dank für Dein tolles Feedback, Du kannst wirklich sehr stolz auf Dich sein! Und kleine Rückschläge gibt es immer. Wie heißt es so schön…immer 2 Schritte vor, einen zurück.
    Ich freue mich sehr, dass meine Impulse Dich so unterstützen, das ist sehr wichtig für mich, denn das motiviert mich, genauso weiter zu machen.

    Vielen lieben Dank und ich freue mich, Dich spätestens in 2020 zu sehen 🙂

    Liebe Grüße Christina

  4. Date 16. September 2019
    Author Von:Christiane

    Hallo Christina,
    vielen Dank für diesen wichtigen Beitrag.
    Ich könnte dazu sehr viel von mir erzählen. Nicht immer habe ich die oder auch notwendige Unterstützung von zuhause bekommen.
    Hatte aber das große Glück, tolle Lehrer zu haben die mich herausgefordert haben.
    Ich bin meinen Weg gegangen, war mutig und habe mich getraut eine Herausforderung nach der anderen anzunehmen.
    Dieser Mut , diese Herausforderungen und der Glaube meiner damaligen Lehrer an mich lassen mich wissen was ich gut kann und haben mich wachsen lassen.
    Meine Mitarbeiter, lassen mich wissen woran ich noch arbeiten muss und wo meine Ängste und Unsicherheiten sitzen. Selbstwirksamkeit ist immer wieder an einigen Situationen gefordert . Es macht mich dann so ärgerlich über mich selbst , denn ich weiß ja genau das ich nicht immer klar genug bin. Sehr schnell machen einige Mitarbeiter sich das zu nutze.
    Trotzdem…
    Nie stehen bleiben und weitergehen das ist mir sehr wichtig… es gibt immer einen Weg.
    Danke für Deinen Beitrag und die vielen anderen Beiträge. Du hast mich schon viel unterstützt.
    Irgendwann komme ich nach Berlin und nehme an einen Deiner Kurse teil. Das habe ich mir für 2020 fest vorgenommen.

    Herzliche Grüße
    Christiane Funda


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