15.
April

Ich war letztens in einer Einrichtung und habe etwas erlebt, was mir noch nie vorher in meiner 8 jährigen Tätigkeit als Leitungs- und Teamcoach begegnet ist.

Ich war für einen Teamtag gebucht und mein Auftrag war es, das Team zu stärken und Impulse für eine bessere Kommunikation und Zusammenarbeit zu geben.

Ich bin grundsätzlich immer etwas früher vor Ort, um in Ruhe anzukommen und mich entspannt vorzubereiten. Normalerweise begrüßt mich die Kitaleitung aber in diesem Fall stand ich erst einmal vor verschlossener Tür. Irgendwann öffnete mir eine Mitarbeiterin und führte mich in den Raum, wo der Teamtag stattfinden sollte. Dort waren schon einige Kollegen anwesend, ob auch die Leiterin unter ihnen war, konnte ich nicht ausmachen, da sich mir keiner vorstellte.

Um 9.00 Uhr wollten wir beginnen, aber es fehlte noch eine Person, es war die Kitaleiterin.

Sie schlenderte gemütlich kurz nach neun in den Raum, begrüßte mich und die Kollegen und setzte sich neben mich in den Stuhlkreis.

Ich habe eine sehr feine Wahrnehmung und so spürte ich schnell, dass in diesem Team etwas nicht stimmte. Die Stimmung war bedrückt, kaum ein Lächeln war zu sehen und  die Leitung saß mit einer total genervten Gesichtsausdruck neben mir, sagte kein Wort und schaute die ganze Zeit zu Boden.

Man, das war so anstrengend, keiner traute sich etwas zu sagen, auf meine Fragen und Impulse folgte ein allgemeines betretenes Schweigen.

Vor mir saßen 18 Erzieherinnen, die nur so vor Potential strotzten und sie alle waren total gelähmt, verängstigt und blockiert aufgrund ihrer extrem negativen Leitung. Ich war so geschockt. Wie sollte ich das Team bestärken, wenn es so eingeschüchtert war – wegen einer Person!!

Ich ließ mir meine Gedanken nicht anmerken und zog den Tag durch, beendete aber etwas früher, um dem Team klar und ehrlich meine Wahrnehmung zu schildern, dass es bei ihnen wohl einen Leitungs-Team-Konflikt gibt und mich interessieren würde, wie die Leiterin das wahrnimmt.

Die Frau, die bisher mit erwähnt negativen Gesicht neben mir saß, explodierte: „Sie sehen es doch, so ist es immer, keiner macht das Maul auf und wenn ich am Montag im Urlaub bin, zerreißen sie sich wieder alle das Maul über mich!“

Peng, das saß!! (Ich möchte erwähnen, dass ich zitiert habe).

Ich fragte die Leitung: „Vertrauen Sie Ihrem Team?“ Ihre Antwort mit messerscharfen Ton: „Bestimmt nicht allen, ich überlege schon seit Wochen, ob ich mir das hier noch länger antue, ich bin total genervt und am liebsten würde ich alles hinschmeißen“.

Ich blickte in die Runde, einige schauten betroffen auf den Boden, andere weinten und ich musste mich wirklich beherrschen professionell und neutral zu bleiben.

Ich wandte mich noch einmal ans Team und bestärkte Sie, an ihre „Macht“ die sie als Team besitzen zu denken und sich nicht so verunsichern zu lassen. Sie sollten sich ihrer Fähigkeiten bewusst und sicher sein und darauf vertrauen, eine gute Arbeit zu machen, dann löste ich die Runde auf und schickte die Erzieherinnen nach Hause. Mehr konnte ich an diesem Tag leider nicht für sie tun.

Die Kitaleiterin bat ich zu bleiben und im 4 Augen Gespräch legte ich Ihr nah, sich dringend Unterstützung zu holen oder den Job aufzugeben. Sie winkte resigniert mit den Worten, „das interessiert unseren Träger nicht“ ab.

Ich machte mich auch auf den Heimweg, war aber (und bin es noch) echt total geschockt über dieses Erlebnis.

(♣ Ich war von einem externen Anbieter für diesen einen Tag gebucht, ansonsten hätte ich das nie so stehen lassen aber damit hätte ich meine Kompetenzen überschritten)

 

Natürlich ist dies (m)ein absolutes Negativbeispiel aber es steht als Synonym dafür, was passieren kann, wenn die KitaleiterIn nicht in der Lage ist zu führen.

  • Ich habe eine Leiterin erlebt, die den ganzen Teamtag über geweint hat – wie soll ich das Team bestärken, wenn die Führung das schwächste Glied ist?
  • Ich habe eine Leiterin erlebt, die vor den Augen ihrer Mitarbeiter die Überlastungsanzeige zerrissen hat, mit den Worten, sie sollten sich nicht so anstellen und ihre Arbeit machen.
  • Ich habe Leiterinnen in meiner Praxis sitzen, die daran zerbrechen, dass ihre Mitarbeiter sie nicht mehr lieb haben.

 

Und so könnte ich hier noch viele Beispiele bringen……

Und dann wundern wir uns über einen hohen Krankenstand und Fluktuation?

Ja, die Überschrift dieses Blogartikels ist provokativ, das gebe ich zu aber ich habe diese These nicht aufgestellt, um KitaleiterInnen schlecht zu machen, im Gegenteil!!

Ich bin aufgrund meiner Erfahrungen (als Führungskraft und Leitungscoach) der absoluten Überzeugung, dass für die Führungskräfte im pädagogischen Bereich viel zu wenig getan wird und dieser Beitrag soll ein Plädoyer dafür sein, mehr Unterstützung, Einarbeitung und Begleitung zu fordern.

Alle reden von Kitamanagement, von der Akademisierung der Führungskräfte und vom Qualitätsmanagement im pädagogischen Alltag. Aber was nutzt dies einer Führungskraft, wenn sie nie gelernt hat, was Führung bedeutet??

Wie soll sie selbstbewusst, konsequent und klar ihrem Team und den Eltern gegenübertreten, wenn sie (noch) nicht die nötigen Kompetenzen bzw. die Persönlichkeit dazu hat?

Es muss viel mehr für die Persönlichkeitsstärkung der KitaleiterInnen getan und investiert werden. Meiner Meinung nach, benötigt jede (angehende) Führungskraft einen Coach an ihrer Seite, der sie bestärkt und Impulse zur Weiterentwicklung gibt.

Argumente wie:

  • „Ich bin da so reingerutscht“……und
  • „Meine Kollegen haben gesagt, ich würde mich super als Leitung machen, sie würden sich freuen, wenn ich die Position übernehmen würde“.

 

Sind die meist genannten Argumente in meiner Praxis, wenn ich frage, wie sie an die Position gekommen sind.

Und dann sitzen sie da in dieser neuen Rolle, meistens mit einem Team bestehend aus Frauen und verzweifeln daran, dass sie nicht mehr zum Team gehören, einsam sind und Angst vor Ablehnung haben. So kann niemand selbstbewusst führen und ein gutes Vorbild sein.

Wenn die LeiterInnen nicht führen können, fehlt es dem Team an Struktur, Sicherheit → die Motivation und Identifikation geht verloren, der Krankenstand und Personalmangel steigt.

Den Fachkräftemangel kann und ich will ich nicht schön reden aber der Personalmangel in den Einrichtungen, der kann mit professioneller Führung definitiv reduziert werden.

 

♥Ich danke all den wunderbaren KitaleiterInnen, mit denen ich jeden Tag arbeiten darf. Ihr macht einen großartigen Job und wenn es doch mal schwierig wird, glaubt an Euch, wertschätzt Euch selbst und zweifelt nicht an Euren Fähigkeiten!♥

Führung kann Spaß machen, dazu gehört aber auch, seine Schwächen wahrzunehmen, ohne Angst ein Versager zu sein zu äußern und sich Hilfe einzufordern. Das ist Euer Recht und auch Eure Fürsorgepflicht – für Euch selbst und Euren Mitarbeitern und den Kindern gegenüber!

 

Du hast Dich wiedererkannt und brauchst Unterstützung, um klar und selbstbewusst führen zu können? Dann melde Dich gerne bei mir, ich begleite Dich auf Deinem Weg zur selbstbewussten Leitungspersönlichkeit!

Ich freue mich auf eigene Erfahrungsberichte in den Kommentaren.

 

Deine Christina

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Kommentare:
  1. Date 16. April 2019
    Author Von:Christina Becker

    Liebe Susann,

    leider scheint mein geschildertes Beispiel kein Einzelfall zu sein, schade. Vielen Dank für Deine Meinung dazu, die Leitung beeinflusst wirklich elementar die Teamarbeit.

    Lieben Gruß Christina

  2. Date 16. April 2019
    Author Von:Susann

    Hallo Christina,

    ich bin total erstaunt über diesen Beitrag weil er mir so aus der Seele spricht. Ich selbst bin zwar keine Leitung, arbeite aber in einer hierarchischen Einrichtung.
    Wir hatten jetzt ein Jahr Teamcoaching und ich glaube dass unsere Supervisorin ähnliches zu unsere Leitung dachte wie Du in deinem Beitrag geschildert hast.
    An einer guten Führung hängt enorm viel!

    Liebe Grüße

    Susann

  3. Date 15. April 2019
    Author Von:Christina Becker

    Liebe Claudi,

    vielen Dank für Dein Feedback! Ich drücke Dir die Daumen, dass alles so kommt, wie es für Dich richtig und gut ist. Hör immer auf Dein Bauch und Dein Herz, dann kann nichts schief gehen 🙂

    Lieben Gruß Christina

  4. Date 15. April 2019
    Author Von:Claudi

    Ich stimme dir zu.Ich bin auch reingerutscht und war mir nicht wirklich bewusst was auf mich zukommt.Erst war ich stellv.Leitung aber schon 20 Jahre im Team als päd. Fachkraft. Die Leitung kündigte nach wenigen Monaten und ich bewarb mich auf die Stelle.Das Vorstellungsgespräch war eher eine Prüfung mit Punktesystem. Alles war gut außer,dass ich zu nah am Team war.Ich habe das zu dem Zeitpunkt nicht verstanden.Heute 3 1/2 Jahre danach verstehe ich es.Das Team akzeptiert und respektiert mich.Sie wissen das ich hinter ihnen stehe und ihre Arbeit wertschätzen.Die Leitungsstelle ist zum Sommer wieder frei. Ich werde die 2te Chance nutzen und wenn es wieder nicht funktioniert werde ich im Falle das es mit der neuen Leitung dann nicht klappt Konsequenzen ziehen .Aber noch ist es nicht soweit und ich versuche positiv zu denken .Das Team hat auch Ängste und versteht nicht,dass mir die Stelle nicht angeboten wird .Aber das ist auch der Bürokratie geschuldet.Ich kenne auch einige Leitungen,die den Karren vor die Wand gefahren haben und es ist so schwer dort wieder eine funktionierende Teamkultur zu schaffen . LG Claudi


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