29.
November

In meiner Arbeit als Leitungscoach und auch bei meinen Seminaren stoße ich immer wieder auf ein Thema:

Denkmuster, auch Glaubenssätze genannt, die unser Denken, Fühlen und Handeln unbewusst (zu 95%!!) steuern, ob wir wollen oder nicht….grundsätzlich sind diese Glaubenssätze ja etwas Positives, denn sie beschützen uns und lassen uns an etwas glauben. Negativ wirken sie erst dann, wenn sie uns vermeintlich immer wieder Steine in den Weg legen und wir einfach nicht weiter gehen können.

Die Glaubenssatzarbeit ist eine meiner liebsten Methoden in der täglichen Praxis, da es so toll zu beobachten ist, was für ein Veränderungsprozess angestoßen wird, wenn man diesen kleinen Beeinflussern auf den Grund geht, Sie erkennt und auflöst…..

Aber was sind überhaupt Glaubenssätze und wie entstehen sie?

Glaubenssätze entstehen in unserer Kindheit. Je nachdem wie wir erzogen, geleitet oder beeinflusst wurden manifestieren sich diese Denkmuster in unserem Unterbewusstsein, und haben einen großen Einfluss darauf, wie wir die Welt wahrnehmen, sie bewerten und unsere Schlüsse daraus ziehen.

Ein negatives Beispiel:

Wenn ein Kind immer nur hört: „ Du kannst das noch nicht“, „Du bist zu dumm“, „Dein Bruder ist viel schlauer als Du“ wird sich bei diesem Kind wahrscheinlich der Glaubenssatz „ich kann nichts“, „ich bin dumm“, „ich bin nichts wert“ o.ä. im Unterbewusstsein abspeichern und im schlimmsten Fall bekommt dieser dann heranwachsende Mensch auch ständig die Bestätigung, denn sein Denkmuster/Glaubenssatz „ich bin dumm“ wird sich unbewusst immer wieder Platz verschaffen, wenn es darum geht, etwas zu leisten oder mal aus seiner Komfortzone heraus zu treten.

Meine Geschichte:

Durch meine eigene Coaching Ausbildung musste auch ich mich mit meinen Glaubenssätzen auseinander setzen, das war sehr schmerzhaft und tränenreich und doch so bereichernd für mein jetziges Leben! Der Klassiker: „ich bin nicht gut genug“ hat mich jahrzehntelang blockiert und mich denken lassen, das ich Dinge gar nicht ausprobieren brauche, denn ich schaffe es ja eh nicht. Der Gedanke: „ich würde so gerne aber ich traue mich nicht“ beeinflusste viel zu lange mein Leben!

Als ich mich neulich mit meinen Eltern einmal darüber unterhalten habe sagte mein Vater: „also von uns hast Du das nicht, wir haben das nie zu Dir gesagt“. Und recht hat er…meine Eltern haben das nie zu mir gesagt aber ich war/bin, die Einzige von uns drei Kindern mit blonden Haaren und blauen Augen, auch meine Eltern sind dunkel und wie oft ich als Kind den Spruch gehört habe, ich sei wohl vom Postboten (natürlich immer witzig gemeint), habe ich irgendwann aufgehört zu zählen.

Aber so etwas bleibt im kindlichen Unterbewusstsein („ich bin anders“, „ich gehöre nicht dazu“) haften.
Auch bin ich die Einzige von uns dreien, die nie ein eigenes Zimmer hatte, die sich mit dem Abitur am Schwersten getan hat, die immer etwas pummeliger war als meine Geschwister, die nie im Ausland war und daher auch kein gutes Fremdsprachenverständnis besitzt (auch ein Glaubenssatz: „ich kann keine Fremdsprache“) und so könnte ich hier noch viel mehr aufzählen.……in meiner kindlichen subjektiven Wahrnehmung waren alle toll und ich eben nicht….ich war nicht so gut! Und so habe ich mir selber eben auch nie etwas zugetraut.

Damit hier kein falscher Eindruck entsteht, ich bin sehr behütet und liebevoll aufgewachsen und ich habe eine tolle Familie und die liebsten Eltern der Welt. Ich möchte vielmehr aufzeigen, wie entscheidend die eigene subjektive Wahrnehmung der Welt dazu beiträgt, Dinge zu bewerten und dann irgendwann auch daran zu glauben.


Ein weiteres Beispiel:

Meine Mutter sagte einmal zu mir (sorry Mama, ich weiß, Du magst die Geschichte nicht…und ich weiß, dass es nicht böse gemeint war:-)):

„Tina, wenn Du ein Tier wärst, dann wärst Du ein Haflinger Pferd“.

Bääm das schoss direkt ins Unterbewusstsein. Durch unsere tollen Urlaube auf dem Bauernhof waren mir diese Pferde durchaus bekannt. Die großen, kräftigen, bernsteinfarbenen Lastentiere mit ihrer blonden Wallemähne und einem riesigen breiten Hinterteil, die so schnell nichts umhaut. Und so fühlte ich mich jahrelang immer etwas zu groß, immer etwas zu kräftig, wünschte mir immer einen kleineren zarteren Hintern und ich musste mir erst auf der Klassenfahrt den rechten Arm brechen (unbeabsichtigt, versteht sich), ehe ich endlich meine dicken blonden langen Haare zu einer schönen Kurzhaarfrisur schneiden durfte, da ich mich mit links nicht kämmen konnte.
Bis heute haut mich auch nichts so schnell um, ich bin ein Arbeitstier – wie ein Haflinger 😉 – und neige eher zum „Boreout“ als zum „Burnout“.

Neulich unterhielt ich mich mit einer Klientin, mit der ich zuvor ihre Glaubenssätze bearbeitet hatte und erzählte ihr die Haflingergeschichte. Bei unserem nächsten Termin brachte sie ein Foto mit, auf diesem war ein dunkles Pferd und sie sagte: „Christina, wenn Du noch jemals glaubst, dass Du ein Haflinger Pferd bist, dann bist Du dieses hier…das ist unser Lieblingspferd – ein Araber Haflinger. Schaue Dir das Feuer in den Augen an, die Energie, die man an den Nüstern sehen kann, die aufgestellten, aufmerksamen Ohren, den stolzen Kopf! Wenn überhaupt, dann bist Du diese Rasse…“. In dem Moment hätte ich meine Klientin knutschen können, denn ich war so gerührt über diese Ausführung. Sie ist sich bis heute nicht bewusst, was sie damit Positives in mir ausgelöst hat, durch einen einfachen Perspektivwechsel.

Gerade in meiner jahrelangen Funktion als Führungskraft hätte ich mir einen Coach gewünscht, der mich dabei unterstützt meine Unsicherheiten abzubauen, so musste ich erst noch so viele Fehler in der Team- und Abteilungsführung machen und tränenreiche Nächte überstehen, um zu erkennen, welche blockierenden Glaubenssätze da in meinem Unterbewusstsein schlummerten.

Dafür bin ich heute so dankbar, denn durch diese Fehler aber auch durch meine Coachingausbildung und eigene Coachings konnte ich viele meiner Glaubenssätze auflösen. Heute weiß ich viel mehr, wer ich bin, was ich kann und was alles möglich ist, denn ich habe mich getraut, aus meiner eigenen Komfortzone herauszutreten und bin sehr stolz darauf!

Ich habe gelernt, dass es ist nie zu spät ist für eine Veränderung und dass das Leben zu kurz und zu schön ist, um sich von Unsicherheiten und Ängsten ausbremsen zu lassen. In Jedem von uns – auch in Dir – steckt so viel großartiges Potenzial und das darf raus gelassen werden!

Ich bin sehr dankbar, dass ich heute junge Führungskräfte und Leitungen dabei unterstützen darf, ihre Unsicherheiten ab- und Selbstbewusstsein aufzubauen. Es berührt mich jedes Mal, wenn die Klientin merkt, was alles in ihr steckt und dadurch möglich ist

Auch in Dir schlummert eine Führungspersönlichkeit aber Du glaubst nicht daran? Dann lass uns gemeinsam in den Spiegel schauen, um Deine Potentiale zu entdecken.

Ich freue mich über Dein Feedback oder erzähle mir gerne Deine eigene Glaubenssatz-Geschichte!

Deine

Danke an meine Eltern und Geschwister, dafür dass Ihr da seid und dass es durch Euch so tolle Geschichten gibt!

 

Diesen Artikel teilen:
Kommentare:

Kommentar verfassen

Thumb Up

Vielen Dank für Ihren Beitrag.

Ggf. wird Ihr Kommentar noch von der Moderation geprüft.